Zierpflanze

Tragopogon

2. September 2018

Ein Name wie ein Zauberspruch aus Harry Potter: „Tragopogon“! Beschwörend ausgesprochen meint man, gleich Snape erscheinen zu sehen. Im Deutschen wird er etwas prosaischer als „Bocksbart“ bezeichnet – wenn man darüber nachdenkt allerdings auch ein eigenartiger Pflanzenname. Der Bart eines Bocks? Woher kommt denn das? Gleich mal im Buch meines Vertrauens (1) nachgeschaut und siehe da, auch der wissenschaftliche Name bedeutet Bocksbart: tragos = Ziegenbock und pogon = Bart, Kinn- und Backenbart. Bei einer Art, Tragopogon dubius, scheinen nach dem Abblühen die Fiedern der Samen an einen Ziegenbart zu erinnern.

Geometrischer Samenstand.

Als erstes entdeckte ich den Samenstand dieser Pflanze bei einem Spaziergang am Rhein. Wie oben und rechts im Bild schön zu sehen ist, setzt er sich aus vielen großen „Fallschirmen“ zusammen, an denen die Samen hängen – klein kennt man so etwas vom Löwenzahn. Beide gehören in die gleiche Familie, die Asteraceae (Korbblütler). Diese Schirme sind beeindruckend in ihrer Größe und zugleich sind sie so filigran und puschelig. Und: Sie bilden eine wunderschöne Kugel mit einem Muster.

Wahrscheinlich der Große Bocksbart.

Doch auch die Blüten sind bezaubernd: Die gelben Kronblätter sind, wie bei der Sonnenblume in äußere lange Zungenblüten, die steril sind, und viele kurze Röhrenblüten unterteilt. Und wie lange, grüne Sternenstrahlen liegen darunter die Kelchblätter. Durch die doppelte Strahlung, so will ich es jetzt mal nennen, erscheinen die Blüten noch filigraner, finde ich. Sie wirken zierlich und sind eine wunderbare Nektarquelle für Insekten.

Inzwischen habe ich diese Pflanze auch im Garten, es scheint der große Bocksbart, Tragopogon

Milchsaft zwischen den noch geschlossenen Kelchblättern.

dubius, zu sein. Zunächst entdeckte ich seine Knospe. Auch sie hat mich bezaubert, weil sie so langgestreckt-grazil ist, ganz anders als die meist knubbelig-runden Knospen, etwa der Rose. An der Knospe habe ich ein weiteres Charakteristikum der Pflanze entdeckt: Sie führt Milchsaft – hier zu sehen an den weißen Tröpfchen zwischen den noch geschlossenen Kelchblättern.

Natürlich gibt es noch viele andere Arten der Gattung Tragopogon. Auch eine Nutzpflanze ist darunter, die Haferwurzel (Tragopogon porrifolius). Sie blüht violett, wurde schon im Griechenland der Antike als Gemüsepflanze genutzt und hat viele Namen: Weißwurzel, Markwurzel oder Milchwurzel – letzterer verweist darauf, dass die Wurzeln viel Milchsaft enthalten. Früher stand sie in Konkurrenz zur Schwarzwurzel, doch heute kennt man sie in Deutschland kaum mehr. Neben der bis zu 30 cm langen Wurzel kann man auch Blätter und Blüten in der Küche verwenden. Die Wurzel soll sehr gesund sein, etwa soll sie die Bildung der roten Blutkörperchen anregen. Auf jeden Fall enthält sie Inulin, weshalb Diabetiker sie unbedenklich genießen können, und sie ist glutenfrei. Der Geschmack der Wurzel soll übrigens an Austern erinnern – weswegen die Haferwurzel auch Austernpflanze genannt wurde. Zudem ist sie eine bezaubernde Zierpflanze. Wer diese hübsche Pflanze einmal ausprobieren möchte, im Internet gibt es Samen zu kaufen, u.a. beim Templiner Kräutergarten.

Der Wiesen-Bocksbart strahlt nur so.

Eine anderen Bocksbart, der ebenfalls in der Küche verwendet werden kann, entdeckte ich beim Gassigang in einem Park, den Wiesen-Bocksbart, Tragopogon pratensis. Die Blüten sind etwas einfacher, aber die Knospen verraten ihn. Auch hier kann man Samen kaufen, etwa bei Rühlemann’s. Dort steht auch, dass man quasi die ganze Pflanze auf die eine oder andere Art genießen kann.

 

Knospe und Blüte in der naturnahen Wiese im Park.

 

(1) Gnaust, Helmut: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Nikol Verlagsgesellschaft Hamburg, 1983.