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Stielmus

Als ich vor kurzem mal wieder durch den Supermarkt wirbelte, musste ich natürlich bei den frischen Kräutern in Töpfen vorbeischauen – immerhin taucht hier ab und zu etwas Ungewöhnliches auf, etwa der Alant, der in meinem Garten zuverlässig jedes Jahr wächst und blüht. Und, siehe da, es gab Stielmus. Stielmus? Das hatte ich schon gehört und natürlich wanderte ein Topf in meinen Korb.

Was ist Stielmus?

Was ist Stielmus denn nun? Auf jeden Fall eine Art der Speiserüben, von der die Blätter gegessen werden. „Mairübstiel“ finde ich bei Frau Kreuter (1), sie schreibt dazu in Klammern: „echtes rheinisches Stielmus“. Meint sie damit die Blätter von Mairübchen, wie ich es auch sonst zuweilen im Netz finde? Etwa gibt es unter „Stielmus“ Mairübenrezepte bei Chefkoch.

Schauen wir in ein anderes Buch meines Vertrauens: Das Handbuch der Samengärtnerei (2). Auch hier wird der Stielmus erwähnt, im Kapitel „Wasserrübe, Stoppelrübe, Herbstrübe, Räbe und Rübstiel (Brassica rapa ssp. rapa)“. Hier finden sich ein paar Sätze dazu: „Eine weitere Form ist Rübstiel oder Stielmus. Rübstiel bildet keine Rübe aus, genutzt werden die stark gefiederten Blätter, die einzeln als frisches Grün von Herbst bis ins Frühjahr zum Beispiel als frischer Salat genutzt werden können. In den Handel kommen sie meist als gesamte Rosette, teils auch unter der Bezeichnung „Namenia“. Namenia lässt sich wie Chinakohl zubereiten.“

Aha! also eine Kohlsorte ohne Rübe, von der man die Blätter wie Salat essen kann. Interessant. In einem Buch über alte Gemüsearten (3) wird der Stielmus zwar als das Kraut von Speiserüben, besonders der Mairübe oder den Teltower Rübchen, bezeichnet, aber trotzdem können die Kulturansprüche ja stimmen: Anspruchslos, Aussaat März bis Anfang Juni, kann schon nach 10 Tagen keimen und: ideale Vorfrucht für kälteempfindliche Kulturen. Das klingt doch unkompliziert und gut.

Was kann ich damit anfangen?

Das herb-säuerliche Kraut kann man als Salat zubereiten oder es als Gemüse dünsten oder auch in einen Auflauf tun. Klingt, als würde ich eine interessante Pflanze mein Eigen nennen.

Ich werde versuchen, den Topf auf dem Balkon zu überwintern (möglichst nicht reinholen, da die Pflanzen aus dem Supermarkt meist die Trauermücke tragen) und im März/April in den Garten setzen. Ziel ist, sie zum Blühen zu bringen – da dürfen keine anderen Vertreter der Art Brassica rapa in der Nähe stehen, weil sie sich leicht verkreuzen – und dann könnte ich Samen gewinnen und in 2019 eigenen Stielmus anbauen. Alle Tipps dazu gibt mir mein Handbuch.

Aber vielleicht kaufe ich mir auch Samen. Im Internet sind sich die Anbieter allerdings äußerst uneins über die Subspezies oder Varietät etc.: Brassica rapa ssp. sylvestris bei Bio-Saatgut, Brassica rapa var. rapifera subvar. pabularia bei magicgardenseeds. Egal, ich werde versuchen, diese säuerliche Kleine in meinem Garten zu etablieren.

(1) Kreuter, Marie-Luise: Der Biogarten. Blv 2012.

(2) Heistinger, Andrea u.a.: Handbuch der Samengärtnerei. Sorten erhalten, Vielfalt vermehren, Gemüse genießen. ulmer 2010

(3) Haßkerl, Heide: Alte Gemüsearten neu entdeckt. Schätze aus dem Bauerngarten. Leopold Stocker Verlag 2008

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